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Thomas Zerweck

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Waldpfad Impression

Tag 1

Jahr 2017
Etappe 1  Von Wiesbaden - Schlangenbad


Meine erste Tour auf dem Rheinsteig habe ich 2017 im September begonnen, w├Ąhrend meines dreiw├Âchigen Jahresurlaubs.
Ich hatte gerade meine erste Wanderausr├╝stung gekauft und mit Grundlegenden Ausr├╝stungsgegenst├Ąnde wie Schlafsack und Isomatte, Zelt, Gasbrenner und Kochgeschirr ausger├╝stet.

Es war eher eine unbeholfene, aber durchdachte und geplante Tour. Die ├╝ber eine Woche gehen sollte. Wenn ich heute zur├╝ckdenke h├Ątte ich die Tour um diese Zeit nicht beginnen d├╝rfen. Die Wetterkarten von Wetter.com hatten einen Wettersturz von mehr als 10 Grad vorausgesagt. Es sollte Regen geben, der kalt war. Das sollte am Ende des zweiten Tages auch eintreffen.

Ich ging trotzdem auf Reisen und fuhr Samstag von Winnenden um 4:50 Uhr ab mit der S-Bahn und ICE ├╝ber Stuttgart nach Wiesbaden.  In Frankfurt hatte ich eine Stunde Aufenthalt und in Wiesbaden nach Wiesbaden-Biebrich kommen noch 20 Minuten dazu. Der Startpunkt Rheinsteig, Richtung Bonn liegt am Schloss Biebrich. Ich hatte einen sch├Ânen Sonnentag gew├Ąhlt und mu├čte ca. 1km vom Bahnhof Biebrich bis zum Schloss Biebrich durch den Schlosspark laufen.
Wenn man vom Bahnhofsgel├Ąnde herunterkommt sieht man schon den Eingang zum Schlo├čpark, es sind gro├če hellrote Torb├Âgen mit schmiede-
eisernen Toren.

Der Schlosspark ist durchzogen mit Wegen und einigen Wasserl├Ąufen. In Schloss Biebrich findet am Wochenende immer klassische Konzerte statt. Das Schloss Biebrich liegt direkt am Rhein. Hier machte ich mein erstes Foto. Wo ich nach einer kleinen kurzen Pause meinen Weg entlang dem Rhein Stromabw├Ąrts fortsetzt habe. Ich bin froh, da├č es noch nicht so Hei├č war um 10:00 Uhr. Die ersten 6 Km Wanderstrecke laufen direkt am Rhein entlang. Auf Grund von Bauarbeiten an der Autobahn, die dort Kreuzt weichte der Weg etwas ab. Er f├╝hrt direkt am Aussenkai vom Schliersteiner Hafen entlang. Dort am Ende angekommen mu├č eine hohen Bogenbr├╝cke ├╝berwunden werden, die nur f├╝r Fu├čg├Ąnger ist. Sie ├╝berbr├╝ckt die Hafeneinfahrt und ist nett und hoch. Nach der Br├╝cke geht es in einer Form von einem C herum auf die andere Seite des Hafenbeckens. Ein kleiner Durchgang f├╝hrt links durch eine kleine Wege├Âffnung vorbei an kleinen Gartenh├Ąuschen. Dann einmal Links und wieder Rechts und immer gerade aus bis zur Hauptstra├če und dar├╝berhinaus. Die Symbole des Rheinsteiges, eine weise Schlangenlinie auf blauen Hintergrund begleitet den Wanderer an Stra├čenlaternen, Pfosten und B├Ąumen.

Nach dem ├╝berqueren der Hauptstra├če geht es 100-150 Meter geradeaus und dann hei├čt es aufpassen. Man kann leicht falsch laufen, wenn man das Rheinsteig Symbol aus den Augen verliert. Man mu├č Links zwischen den Siedlungsh├Ąusern hindurch bis zu einem Bach. Dann links den Bach entlang (Aufw├Ąrts ansteigend) durch eine Unterf├╝hrung bei den Bahngleisen.
So jetzt Rechts bis zur n├Ąchsten Blau-Wei├čen Wegmarkierung. Eigentlich sollte es nach 150m links abgehen, doch weit gefehlt.


Gesperrt wegen Bauarbeiten an der Unterf├╝hrung der Umgehungsstra├če. Dieser Abschnitt des Rheinsteiges wird mir immer lebhaft in Erinnerung bleiben. Auch ein Wanderer mu├č mal seinen Bed├╝rfnissen nachkommen. Ich mu├čte einen Umweg in Kauf nehmen mit steil ansteigender Stra├če. Um an die andere Seite der Schnellstra├če zu kommen. Oh Mann, geht das nicht schneller, nur 500 Meter bis zur Br├╝cke und wo geht es dann weiter? Das St├╝ck war eine harte Tortur f├╝r mein geplagtes Hinterteil. Ja endlich hatte ich die Br├╝cke ├╝ber der Umgehungsstra├če erreicht und zur H├Ąlfte ├╝berquert. Da sah ich das n├Ąchste Wegschild, links geht es weiter in eine Stra├če, die nach 50 Meter rechter Hand abbiegt. Nach weiteren 50 Meter wu├čte ich nicht weiter. Aber die Hilfe war schon nah in Gestalt einer jungen Frau, die in einer Einfahrt bei Ihrem Haus sitzend eine Zigarette rauchte. Ich fragte Sie wo und wie der Weg zu oder auf dem Rheinsteig weiter geht bzw. wie ich wieder in seine Richtung komme. Sie erkl├Ąrte, ich m├╝├čte nur diesen Weg hinunter laufen und unten an der Weggabelung soll ich mich rechter Hand halten und schon w├Ąre ich wieder auf dem Rheinsteig.

Gesagt, getan ging ich den Weg hinunter und bog leicht schr├Ąg rechts ab. Und schon war ich wieder auf dem alten Weg, den ich eigentlich herauf laufen sollte. Doch mich plagten jetzt wieder die alten Sorgen, mein armer Hintern, es druckte und dr├╝ckte. Ich suchte w├Ąhrend ich weiter lief nach einem stillen ├ľrtchen um mich zu erleichter. Nach l├Ąngerer Zeit kam ich endlich an eine Bank und ich fand nach dem gesuchten Ort. 

Gleichzeitig nutzte ich das Ganze, eine kleine Pause zu machen, Ich hatte seit meiner Abreise aus Winnenden nicht einen Bissen zu mir genommen, au├čer Wasser. Nach einer halben Stunde etwa ging es dann weiter. Wer jetzt denkt, ich laufe andauernd auf geteerten Wegen, der ist weit weg von der Realit├Ąt. Der Rheinsteig hat die Kategorie Mittel bis Schwer. Also nichts f├╝r Badelatschen - Camper. Man braucht richtige Wanderausr├╝stung, der mittleren und gehobenen Kategorie. Also Trekking-Halbschuhe oder Stiefel.

Ich bevorzuge Stiefel der Marke Lowa oder Salomon. Aber Vorsicht ist f├╝r Anf├Ąnger geboten. Es ist wichtig eine Erstberatung bei einem Fachmann f├╝r Outdoorausr├╝stung einzuholen. Der Grund ist ganz einfach, es gibt Unmengen an Stiefeln und Halbschuhe. Diese sind nach Kategorien von Ebene bis Hochgebirge unterteilt. Es geht hier um den Sitz des Schuhes oder Stiefel und er mu├č bequem passen. Ein weiterer Punkt ist die Laufsohle sie unterscheidet sich in ihrer Griffigkeit und Rutschfestigkeit am Hang. Diese Greift in den Untergrund ohne das Sie rutscht. Besonders, wenn es Hang abw├Ąrts geht sollte man stabil in den Schuhen oder Stiefel stehen. Hier kommt ja auch noch zum eigenen K├Ârpergewicht das Gewicht des Rucksackes und Ausr├╝stung dazu. Einen Sturz mit einem Rucksack mit 20 KG und mehr, h├Ąlt man n├Ąmlich nicht auf, wenn man das Gleichgewicht verliert. Auf Grund unpassender Wanderschuhe, wenn man den Halt am Hang abw├Ąrts verliert. Oder ein Hindernis ├╝berqueren mu├č.

Weiter in meinem Bericht mit dem Rheinsteig. Wenn man abbiegen mu├č ist entweder eine Plakette an einem Pfosten befestigt oder an einen Baum gepinselt. Etwa 50 Meter nach dem Abbiegen sollte man dann eine weitere Rheinsteigplakette mit wei├čer Schlangenlinie auf blauem Hintergrund kommen. Das hei├čt, Sie sind auf dem richtigen Weg. Bei geraden Wegen kann es sein, da├č eine Plakette erst nach 200 Meter kommt. Man sollte sehr aufmerksam sein, wenn man ohne Wanderkarte unterwegs ist. Verlaufen leicht gemacht. Was auch mir passiert ist trotz Wanderkarte, aber ohne Detaillierung. Dazu sp├Ąter mehr.

Der geteerte Weg ging auch nicht endlos weiter. Nach weiteren 500 Meter ging es dann Rechts auf einem Feldweg entlang an Weinbergen weiter. Von hier an ging es zum Gro├čteil auf Feldwegen oder geschotterten Wegen voran. Jetzt rechts und weiter oben, dann linker Hand eines Baches. Entlang eines Talausl├Ąufers und auf einmal ging es Links einen Grasweg den Hang hinauf. Ca. 15-20 Grad Steigung nach oben. Das sind die kleine Feinheiten, die immer wieder f├╝r Freude sorgt. Besonders, wenn man kurz vorher einen l├Ąngeren Aufstieg am Hang hatte und gerade mal eine kurze Wegstrecke auf geradem Weges am Hang zur Erholung der Muskeln hatte. Und jetzt geht es wieder mit Volldampf wieder nach oben. Das zieht Dir die Kraft aus den Muskeln und dein K├Ârper geht voll und ganz auf Fettverbrennung. Hier gibt es in den Weinbergen ein Cross und Such Spiel mit einem kleinen Fest. Rallye der besonderen Art.

So geht es im Zickzack jetzt den Berg hinauf, wo es am Schlu├č wieder auf einem geteerten Weg Richtung Goethedenkmal und einer Burgruine geht. Das Goethedenkmal ist unser Ziel und ein Rastpunkt mit Ruhe-B├Ąnken. Hier wird eine kleine Verschnaufpause eingelegt und ein Foto gemacht. Bevor es jetzt wieder ├╝ber eine Treppe und Weg bergab Richtung Ortschaft Frauenstein geht. Der kleinste Weg ist ca. 30 cm breit (Trampelpfad) und geht linker Hand schr├Ąg Steil Richtung zu einem Weinbergweg hinunter. Hier ist nichts gerade oder eben, was Wege anbetrifft. So geht es bis zum Anfang vor den Ort. Hier in Frauenstein gibt es die M├Âglichkeit in einem Cafe oder Weinlokal, eine kleine Erfrischung zu sich zu nehmen.

In Frauenstein mu├č man jetzt die Stra├če ├╝berqueren, dann geht es Links und rechter Hand die steile Stra├če hoch. Am Ende gehen wir dann rechter Hand in eine Sackgasse Stra├če. Hier in dieser Stra├če bin ich das erste Mal falsch gelaufen, besser gesagt zu weit. Ich habe die Rheinsteig-Beschilderung ├╝bersehen. Am Ende der Stra├če in der Sackgasse stand ich jetzt und kratzte mich am Kopf und fragte mich wo ich was ├╝bersehen hatte. Wie es der Zufall so will kam mir ein netter Anwohner zu Hilfe. Er sprach mich an und erkl├Ąrte das ich zu weit gelaufen war. 100 Meter unterhalb geht rechts ein Fu├čweg ab ├╝ber eine Treppe, von unten Links. Die Bewohner sind sehr nett, freundlich und hilfsbereit denen ich begegnet bin. Der Mann hatte mich durchs K├╝chenfenster gesehen. Er sagte auch das ich nicht der einzige Wanderer bin, der hier falsch gelaufen ist. Ich sagte Danke und w├╝nschte Ihm ein sch├Ânes Wochenende und ging meines Weges. Also zur├╝ck bist zu der Treppe.

Jetzt fragt sich bestimmt jeder, warum ich diese Beschilderung nicht an der Stra├čenlaterne gesehen hatte. Es gibt eine einfache Erkl├Ąrung hierf├╝r. Wenn Du l├Ąngere Zeit einen Berg oder Hang erklimmst, verlagerst Du dein Gewicht nach vorne um eine optimale Gewichtsverteilung auf die F├╝├če zu bekommen. Dabei hat der Mensch eine Eigenart an sich, er schaut instiktiv nach unten. Der Blick folgt seiner K├Ârperachse. Dadurch habe ich den Abzweig ├╝bersehen.
Also Treppe hinauf, besser gesagt Zwei und ich kam oben an einer Hauptstra├če an. Husch hin├╝ber 50 Meter gerade aus und dann rechts den Feldweg entlang bis zu einer Weggabelung. Hier machte ich Rast und setzte mich bei sch├Ânem Sonnenschein auf den grasbewachsenen Untergrund. Nach dem ich aus dem Rucksack was zu Essen herausgeholt hatte. Nach zwanzig Minuten Pause ging es dann weiter linker Hand den Feldweg nach unten. Am Ende mu├čte ich einen Bach ├╝berqueren und eine kleine Anh├Âhe ├╝berwinden, wo es dann rechter Hand einen groben und eingefahrenen Weg weiter ging. Nach 200 Meter machte der Weg eine S-Kurve und hier ging es schon in den Wald mit einem nach oben ansteigenden Waldweg. Der Duft von Wald und Sauerstoff mit einem leicht modrigem Geschmack von Kieferharz stieg mir in die Nase. In der ganzen Zeit vom Bach ├╝berqueren bis zum Waldparkplatz kamen mir zwei Spazierg├Ąnger und zwei Wanderer entgegen. Bevor ich eine Holzbank erreichte, die so ungef├Ąhr in der Mitte von der L├Ąnge des Waldweges am Rand stand. Sah ich noch zwei weitere Wanderer gerade aufbrechen. Ich war also nicht alleine Unterwegs, besonders nicht bei diesem wundersch├Ânen Wetter.

Mein Ziel, die Ortschaft Schlangenbad ist ein Kurort mit Bewegungs und
Therapiezentrum und Hallenbad. Doch von diesem Ziel bin ich noch mehrere Stunden entfernt. Einen Waldparkplatz habe ich ├╝berquert, aber ich mu├čte wieder in den Wald auf einem ungenutzten Weg. Ich bin gl├╝cklich, es geht
bergab. Ah, ein gr├Â├čere Menge Menschen mitten im Wald. Es sind wohl Sonntags-Spazierg├Ąnger von den nahen Ortschaften. So vorbei an der Wald-Wetterschutzh├╝tte. Hinab durch einen steilen steinigen, eher ger├Âllartigen Weg der bei Regen ├╝berschwemmt wird. Ich war echt froh, wo ich diesen Wegabschnitt hinter mir hatte. Jetzt stand ich auf einem Bach-├ťberweg und vor einem Hinweisschild des Rheinsteiges und wusste nicht ob ich Links oder Rechts laufen mu├čte. So ging ich weiter nach Links, den geschotterten Waldweg hinunter. Ich meinte ich sei auf der richtigen Wanderroute. Mir kam nicht in den Sinn, ich w├╝rde falsch laufen. Das stellte sich erst heraus als ich unten am Waldrand eine Frau fragen konnte. Sie erkl├Ąrte mir das ich falsch abgebogen war und das ich rechter Hand weiter gehen m├╝ssen. Ich habe Sie noch gefragt, wie ich den Rheinsteig wieder erreichen kann ohne den ganzen Weg zur├╝ckzulaufen. Es gab eine Abk├╝rzung, die ist aber sehr steil bis zum Rheinsteig. Und es ist der einzige m├Âgliche Weg, den es gibt, so wurde es mir erkl├Ąrt.

Ich bedankte mich. Gesagt und getan, entschied ich mich f├╝r den steilen Weg um nicht nochmal zur├╝cklaufen zu m├╝ssen. Oh man, es ist warm und mir lief der Schweis in Str├Âmen, mein T-Shirt h├Ątte man auswinden k├Ânnen. Und mir ging die Puste aus. 20 Kilo Gewicht auf dem R├╝cken und mein pers├Ânliches ├ťbergewicht. Das Zeitgef├╝hl ist nicht mehr relevant. Mit mehreren Stops erreichte ich die Anh├Âhe und fing an den Rheinsteig zu suchen. Ich suchte eine Plakette mit einem Pfeil. Gefunden habe ich nichts. Nur in die andere Richtung. Das hie├č f├╝r mich einen Umweg durch den Vorort von Schlangenbad zu machen. Ich lief von der anderen Seite kommend nach Schlangenbad hinnein. Von der entgegengesetzten Richtung also Hauptzufahrtsstra├če. Schlangenbad ist eine absolute tote Stadt ohne Fremdenverkehr. Das einzige was ich fand ist und war eine Pizzeria unten von Schlangenbad. Sonst war die Ortschaft tot. Ich habe mir eine Pizza und zwei Flaschen Sprudel gekauft und lief wieder den Plaketten nach und kam an einen Spielplatz. Dort durfte ich jetzt in aller Ruhe meine Pizza genie├čen. Man war Die labend, der Genuss war 100 Prozent. Jetzt mu├čte ich nur noch einen Lagerplatz finden und das Zelt aufbauen. Dabei fiel mir auf das ich auf dem Wanderweg zur├╝ck lief von dem ich eigentlich herkommen sollte. Am Hang auf der anderen Seite in Sichtweite vom Vorort, baute ich mein Zelt auf. So endet mein erster Tag auf dem Rheinsteig ziemlich kaputt und ausgelaugt.

 
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